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Das Verständliche an der Verständlichkeit
Freitag, 19. September 2003


"Wie bitte?" sagen wir oft, wenn in Fernsehdiskussionen, wissenschaftlichen Berichterstattungen, politischen Kommentaren, Sachbüchern, Vertragstexten oder amtlichen Verordnungen etwas schwer verständlich ausgedrückt wird. Oft verstehen wir nicht viel von dem Gesagten, aber wir denken, es müsse sich um einen klugen Kopf handeln, der uns da etwas mitteilt.

Aber ist jemand, der sich hochtrabend ausdrückt, wirklich ein kluger Kopf oder fehlt ihm nur die Fähigkeit, komplexe Sachverhalte allgemein verständlich auszudrücken? Dabei kann es doch recht einfach sein, sich verständlich auszudrücken, wenn man ein paar Grundregeln beachtet - zum Beispiel die vier Grundregeln des Hamburger Verständlichkeitskonzeptes (Langer, Schulz von Thun und Tausch, 1981).

Verständlichkeit basiert demnach auf vier Säulen, auch "Verständlichmacher" genannt.

Sie heißen:
·Einfachheit (in der sprachlichen Formulierung)
·Gliederung/Ordnung (im Aufbau des Textes)
·Kürze/Prägnanz (statt weitschweifiger Ausführlichkeit)
·Zusätzliche Stimulanz (in Form anregender Stilmittel).

Ein bisschen deuten die Namen schon an, was hinter diesen "Verständlichmachern" steckt. Im Folgenden sollen sie etwas genauer vorgestellt werden - oder besser gesagt: sie stellen sich selber vor. Und damit noch besser deutlich wird, wie wichtig sie sind, stellen sich ihre ärgsten Konkurrenten ebenfalls vor.

"Guten Tag! Mein Name ist Einfachheit. Bei mir kann man alles gut verstehen. Ich mache kurze Sätze und verwende bekannte Wörter. Fachwörter werden erklärt. Und ich erzähle die Sachen anschaulich, so dass sich jeder etwas darunter vorstellen kann. Ich rede wie ein normaler Mensch, nicht wie ein Gelehrter."

Lassen wir nun auch den entsprechenden Gegenspieler - die Kompliziertheit - zu Wort kommen:

"Bonjour! Mein Name, welcher sich als kontradiktorischer Gegensatz zu dem soeben vorgestellten Gegenpol ergibt, subsumiert all jene stilistischen Charakteristika, die die Rezeption auf der Wort- und Satzebene behindern, wobei extrem verschachtelte Satzkonstruk-tionen ebenso wie die multiple Verwendung von Fremd-, Fach- und sonst wie esoterischen Wörtern zu einem (nicht selten auch Prestigezwecken dienenden) hoch elaborierten Sprachmuster auf meist hohem Abstraktionsniveau beitragen."

Die Einfachheit steht nicht umsonst an erster Stelle. Sie ist wohl der wichtigste "Verständlichkeitsmacher". Aber das Verstehen und Behalten von Informationen ist auch von deren "Aufmachung" abhängig. Daher stellt sich als nächstes die Gliederung/Ordnung vor:

"Guten Tag. Ich heiße Gliederung. Oftmals gibt man mir auch den Namen Ordnung. Ich tue alles, damit der Leser sich zurecht findet und die Übersicht behält. Wie erreiche ich das? Indem ich sowohl für
(a) äußere Übersichtlichkeit als auch für
(b) innere Folgerichtigkeit sorge.

(a) Äußerer Übersichtlichkeit ("Gliederung"): Dazu gehört die Ankündigung, wie der Text aufgebaut ist; dazu gehören Absätze, Überschriften, strukturierende Bemerkungen und die Hervorhebung wichtiger Stellen.
(b) Innere Folgerichtigkeit ("Ordnung"): Dazu gehört, dass alles logisch aufeinander aufbaut, dass alles schön der Reihe nach kommt. Auf gedankliche Beziehungen und Querverbindungen wird deutlich hingewiesen."

Auch hier gibt es wieder jemanden, der genau das Gegenteil erreicht und dessen Bekanntschaft man eigentlich meiden sollte. Dennoch stellt sich auch die Unübersichtlichkeit/Zusammenhangslosigkeit vor:

"Bei mir kommt alles hintereinanderweg, so wie es gerade kommt. Wichtige Wörter oder Sätze werden nicht hervorgehoben und vieles geht durcheinander. Ich mache kaum Absätze und der Leser weiß nicht, wohin die Reise geht. Ich heiße auch noch so, weil die Übersichtlichkeit nicht gegeben ist, aber am Anfang lege ich gleich los, ohne zu sagen, worauf ich eigentlich hinaus will. Der Leser weiß nicht, wie alles zusammengehört. Manche Sätze stehen beziehungslos nebeneinander."

Im Folgenden möchte sich ein weiteres "Paar" vorstellen, das optimal zur Wirkung kommt, wenn beide Hand in Hand arbeiten.

"Guten Tag! Mein Name ist Kürze, auch Prägnanz genannt. Ich liefere viele Informationen mit wenigen Worten, kurz und bündig, aufs Wesentliche beschränkt. Manchmal zu gedrängt."

Vor allem bei freier Rede trifft man häufig den entsprechenden Gegenspieler dazu an, der sich hier ebenfalls einmal vorstellt:

"Gestatten, dass ich mich Ihnen vorstelle. Mein Name ist Weitschweifigkeit. Mit meinem Namen sind Eigenschaften, also diejenigen Merkmale, an denen man mich erkennen kann, schon angedeutet: Ich liebe es, viele Worte zu machen, oder andersherum ausgedrückt: Ich hasse es, mich kurz zu fassen und mich auf das Allerwichtigste zu beschränken. Oft hole ich weit aus und erkläre die Sache überaus ausführlich und umständlich, obwohl man mit wenigen Sätzen alles Wichtige hätte sagen können. Manchmal schweife ich auch vom Thema ab oder berühre viele Nebensächlichkeiten. Wenn ich erst einmal richtig in Fahrt komme, dann gerate ich "vom Hundertsten ins Tausendste". Ich benutze also zwei Möglichkeiten, weitschweifig zu sein: Einmal die sprachliche Weitschweifigkeit (ein und dasselbe mit verschiedenen Worten wiederholen) und zum anderen die inhaltliche Weitschweifigkeit (auf Nebensächliches kommen, weit ausholen und alles sehr ausführlich bringen). Während ein bisschen Weitschweifigkeit dem Leser durchaus hilft, tue ich des Guten zu viel."

Schließlich gibt es noch ein letztes Gegensatzpaar vorzustellen. Der positive Partner davon möchte den Empfänger nicht nur intellektuell, sondern auch gefühlsmäßig ansprechen.

"Gestatten: Zusätzliche Stimulanz, aber Sie können ruhig `Anregung` zu mir sagen (da freut sich mein Kollege `Einfachheit`). Ich tue alles, damit ein bisschen Leben in die Bude kommt. Ich bin sozusagen das Salz in der Informationssuppe: Ohne mich hätte sie denselben `Nährwert`, aber mit mir ist sie schmackhafter. Und das fördert ja bekanntlich die Verdauung. Ich höre förmlich, wie Sie als Leser sagen: `Anregung, du bist mir zwar ganz sympathisch, aber zu viel von dir würde die Suppe versalzen!` Ich sage: `Gut, aber vergessen Sie mich nicht ganz, wenn Sie selber mal kochen.`"

Ziemlich nüchtern kommt hingegen der letzte Gegenspieler daher: "Mein Name: Keine zusätzliche Stimulanz. Ich verzichte auf alles, was einen Text durch die Art der Darstellung interessant und anregend machen könnte, wie z.B. direkte Anrede des Lesers, lebensnahe oder heitere Beispiele und Vergleiche, Verwendung von wörtlicher Rede, Fragesätze usw. Ich vertraue darauf, dass der Inhalt von sich aus anregend wirkt und nehme es in Kauf, langweilig und unpersönlich zu wirken."

Wenn man die soeben vorgestellten acht "Personen" kennt, ist es doch gleich viel einfacher, komplizierte Sachverhalte verständlich auszudrücken.

Auch Markt-, Medien- und Meinungsforschung basiert auf anspruchsvollen, wissenschaftlich begründeten Theorien und Methoden und es mag von Kompetenz zeugen, wenn man sich sprachlich hoch wissenschaftlich ausdrückt. Aber was bringt es, wenn weder die Probanden noch die Kunden die Sprache des Forscherteams verstehen? - Deshalb arbeiten im MI-Team immer ganz still und leise die Mitarbeiter "Einfachheit", "Gliederung/Ordnung", "Kürze/Prägnanz" und "Zusätzliche Stimulanz" mit.

(Quelle: Schulz von Thun, Friedemann, 2003. Miteinander reden. Reinbeck bei Hamburg: Rowohlt Taschenbuchverlag GmbH)

Autorin : Dorit Beger