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Fernsehen als Mood-Management? oder: Wie gestreßte Zuschauer das Fernsehen nutzen
Freitag, 19. September 1997


60 % der bundesdeutschen Bürger geben an, sich gestreßt zu fühlen. Es sollte daher von Interesse sein, etwas über das Fernsehverhalten gestreßter Personen zu erfahren: Nutzen sie das Fernsehen hauptsächlich zur Regulation ihrer Stimmung bzw. zur Entspannung?

Dieser Frage sind wir in einer Studie nachgegangen. In Einzelinterviews wurden die Fernsehmotivation und Sendungspräferenzen im Zusammenhang mit erlebter Beanspruchung betrachtet und plausible, aber auch unerwartete Ergebnisse zutage gefördert.

Zunächst ließ sich zeigen, daß Fernsehen nicht nur der Information und Unterhaltung dient, sondern von vielen auch genutzt wird, um Stimmungen zu regulieren und sich zu entspannen. Man könnte erwarten, daß gerade besonders gestreßte Personen im Fernsehen Entspannung suchen. Dies ist jedoch nicht der Fall. Gestreßte sehen zwar im Vergleich zu weniger gestreßten Zuschauern öfter aus Gewohnheit fern, sie nutzen häufiger das Fernsehen, um dem Alltag zu entfliehen, und Fernsehen nimmt generell einen höheren Stellenwert in ihrer Freizeit ein. Jedoch sehen gestreßte Personen weniger zur Entspannung fern, sondern sie suchen im Fernsehen eher Anregung. Dies ließ sich insbesondere an den tatsächlichen Programmpräferenzen ablesen. Zwar sehen sie - was zu erwarten war - häufiger Unterhaltungsprogramme, wie beispielsweise Musiksendungen, Comedies und Shows, jedoch nutzen sie interessanterweise besonders und vor allem Erotikmagazine.

Gestreßte Zuschauer wenden sich im Vergleich zu weniger beanspruchten Personen auch weniger anspruchsvollen Informationsprogrammen zu, wie Wirtschaftsmagazine, Tier-/Naturfilme, Ethnokulturelle Reportagen. Doch sie tun dies kaum, um zu relaxen. Im Gegenteil gehen sie häufiger "Nebentätigkeiten" beim Fernsehen nach, indem sie im Besonderen öfter Mahlzeiten nebenher zu sich nehmen, als dies weniger beanspruchte Zuschauer tun.

Wie lassen sich solche Ergebnisse erklären? Viele Menschen, die gestreßt sind oder sich gestreßt fühlen, sind offenbar nicht in der Lage, sich zu entspannen. Ihnen fehlt die Fähigkeit, loslassen zu können und "nichts zu tun". Im Gegenteil: Gestreßte Personen setzen ihr aktives Verhaltensmuster in der Freizeit und damit auch im Fernsehen fort. Fernsehen ist für sie kein Entspannungselexier, sondern es dient der Anregung. Dazu wählt dieser Zuschauer allerdings nicht Sendungen aus, die ein hohes kognitives Involvement erfordern. So ist ihm beispielsweise die Auseinandersetzung mit Wirtschaftsmagazinen zu anstrengend. Der Gestreßte ist nicht mehr bereit, sich mit schwierigen Themen auseinanderzusetzen, braucht aber zur Aufrechterhaltung seines chronischen "Aufgedrehtseins" stimulierende Programme, d.h. er bevorzugt signifikant Erotikmagazine und schaltet sich häufiger in Unterhaltungsshowsendungen und Comedies ein. Es ist zu vermuten, daß ihm die entsprechenden Programme eine individuelle Mixtur durch häufiges "zappen" ermöglichen: der Gestreßte nutzt das Fernsehen nicht zur reinen Entspannung, sondern mixt sich einen anregenden Cocktail aus Sendungen, die nicht zu hohe Konzentration erfordern und die leichtes ein- und umsteigen in Programminhalte ermöglichen, ohne Sinneinbußen in Kauf zu nehmen.

Diese Fernsehgewohnheiten der gestreßten Zuschauer vermitteln den Eindruck, daß Fernsehen für diese Zuschauergruppe als ein Bedürfnis "an sich" fungiert. Es sind weniger die Inhalte von Bedeutung, sondern das Maß aller Dinge ist schlechthin, daß es "was mäßig Anregendes zu sehen gibt" und "die Kiste läuft".

Interessante Nebenergebnisse, wie z.B. daß gestreßte Zuschauer häufiger Mahlzeiten neben dem Fernsehen einnehmen, lassen sich psychologisch als ein Bedürfnis verstärkter "Energie-versorgung" sehen; d.h. die gestresste Person schützt sich durch vermehrte Nahrungsaufnahme gegen das Gefühl des "Ausgebranntseins", sie "tut sich was Gutes", indem sie sich mit einer Mahlzeit belohnt.

Welche Schlüsse lassen diese Ergebnisse für die Programmplanung zu?

Gestreßte Personen stellen einen erheblichen Anteil in der Zuschauerschaft dar. Sie sehen häufig in den Abendstunden fern, nutzen das Fernsehen eher gewohnheitsmäßig und wählen ihr Programm kaum gezielt aus. Sie präferieren Comedy, Musik-, und unterhaltende Show-Sendungen; am meisten lassen sie sich durch Erotikmagazine anregen. Da es sich weniger um Sendungen handelt die kein hohes kognitives Involvement und Aufmerksamkeit verlangen, ermöglichen sie auch häufiges Umschalten. Bei der Zusammenstellung der individuell anregenden Programmixtur ist anzunehmen, daß der gestreßte Zuschauer sich durch die Programme "zappt". Diese Zuschauer sind dementsprechend besonders durch anregende Unterhaltungssendungen zu erreichen. Auch Werbespots, die kleine anregende Geschichten liefern, das Eskapismusmotiv, sprich die "Alltagsflucht", bedienen und/oder spezifische Food-Bedürfnisse ansprechen, sind für diese Zuschauergruppe effektiv.

Autorin : Dipl. Psych. Janine Leyendecker