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"Laß uns drüber reden!" - über den Sinn und Unsinn von Talkshows
Samstag, 19. Juli 1997


Zu Zeiten der "Meisers", der "Flieges", "Arabellas" oder auch der "Superfrau" Hera Lindt, stellt man sich fast notgedrungen die Frage, was denn bitte schön der Auslöser der fast infla-tionären "Talk-Flut" im deutschen Fernsehen sein könnte. Fragen kommen auf wie, "Was bringt die eingeladenen Gäste dazu über ihre ehelichen Probleme, dem Streit mit dem Nachbarn bis hin zu traumatischen Kindheitserfahrungen zu berichten?". Und was bewegt eigentlich den "normalsterblichen" Zuschauer zu Hause am Bildschirm sich die, zum Teil intimsten, Geheimnisse aus der Privatsphäre für sie wildfremder Menschen anzuhören bzw. anzusehen? Spinnen die die ganz einfach nur oder steckt da vielleicht doch mehr dahinter? Ist so etwas einfach nur peinlich oder vielleicht doch als Zeichen zwischenmenschlichen Interesses zu verstehen? Es ist in diesem Zusammenhang vermessen eine allgemeingültige Antwort auf all diese Fragen geben zu wollen, doch haben sich in den letzten zwei Jahren die verschiedensten institutionellen Einrichtungen aus der Medienpsychologie, der Medienforschung und -pädagogik sich bemüht, wissenschaftlich profunde und durchaus bedeutsame Aussagen und Theorien zu dem Thema "Faszination Talkshow" abzuliefern. So war sich beispielsweise die Landesanstalt für Rundfunk (LfR) der gesellschaftlichen Bedeutung des mittlerweile fast täglichen TV-Talks für den Zuschauer bewußt und beauftragte die Uni Köln mit einer umfassenden und äußerst facettenreichen Studie hierzu. Aber auch andere Stellen haben sich ausgiebig mit diesem mittlerweile "In -Thema" der derzeitigen Medienforschung beschäftigt, um aufgekommene Fragen nicht nur einfach "aus dem Bauch raus" zu beantworten. Sowohl die Zuschauer, die Gäste aber auch die Macher solcher Sendungen wurden ausgiebig interviewt um diesem Phänomen in seinem Ursprung auf die Schliche zu kommen. Die Ergebnisse sind durchaus als sehr interessant, wenn auch nicht als besonders überraschend zu bezeichnen. Die Motive des Fernsehzuschauers sich daheim im Fernsehsessel eine derartige Talkshow anzusehen liegen vor allem im Bereich des Betrachtens, des Beobachtens und des Analysierens der Probleme anderer Menschen um von den eigenen Alltagsproblemen ein Stück weit zu flüchten, oder einfach sich über diese zu informieren. Frei nach dem Motto, "Mensch gegen den/die geht es mir ja richtig gut" wird verglichen und wenn möglich auch ein Stück Selbstvertrauen getankt, ohne das man sich dabei selbst vor Anderen entblößen müßte.

Die Beweggründe der Gäste lassen sich auch nicht einfach über einen Kamm scheren, viel zu unterschiedlich sind dafür die individuellen Beweggründe der Teilnahme an den Sendungen. Kommen die einen in die Sendung um über soziale Mißstände zu berichten bzw. aufzuklären, sehen andere in solch einer Show die Möglichkeit, um einfach einmal Luft abzulassen, ja bis hin zu einen Therapieersatz. Andere wollen einfach nur entblößen bzw. denunzieren um sich beim Zuschauer Gehör zu verschaffen und auf die eigene Situation aufmerksam zu machen.

Auch die Moderatoren wurden hinsichtlich ihres Verhaltens und ihrer Funktion in der Sendung etwas genauer unter die Lupe genommen, woraus eine Art Typologie erstellt wurden. So ist Jürgen Fliege der eher "therapeutische" Moderator, der über eine verbale und räumliche Nähe zu seinen Gästen "versucht" eine Intimität zu schaffen, während Hans Meiser es eher auf väterliche und zugleich journalistische Art und Weise vermag, Meinungen "aus dem Volk für das Volk" einzuholen.
Man sieht, das Thema ist auf den zweiten Blick weitaus vielschichtiger als man gemeinhin annehmen könnte. Auch wenn viele, wie bei der Medienforschung altbekannt, im nachhinein sagen, "mein Gott, das haben wir doch schon lange gewußt", ermöglichen solche, unter dem Dach der öffentlichen Hand durchgeführten Studien, interessante Einblicke in das Seelenleben des Zuschauers als auch des Fernsehmachers. Stehe man zum Daily-Talk wie man will, es handelt sich dabei um ein Programm das es versteht, tagtäglich breite Zuschauermassen anzusprechen und das mittlerweile nun schon seit über fünf Jahren. Unfaßbar, daß vor kurzem in dem so aufwendigen Fernsehgeschäft die 1000te "Meiser"-Sendung über den Äther ging, rekordverdächtig allemal. So werden die Kritiker Lügen gestraft, die der deutschen Talkshow vor Jahren, als einfachen Abklatsch amerikanischer Talkvorbilder abgetan, nur eine sehr kurze Verweildauer im deutschen Fernsehen prophezeiten (der Autor übrigens eingeschlossen). Viel zu breit scheint die Themenpalette, als daß sich das Sendungsprinzip so schnell totlaufen könnte oder als mediale Momentaufnahme abgekanzelt werden dürfte. Auch wenn wir oft das Gefühl haben, "daß die sich genau darüber schon letzte Woche bei Arabella unterhalten haben", scheint der Quell neuer, immer problembeladenerer Themenbereiche nimmer zu versiegen. Dennoch sollte man durchaus vorsichtig sein, dieses Massenmedium per se abzuqualifizieren. Zu bedeutsam und zu gewichtig stellt sich für viele die "Meisers" oder die "Flieges" dar, als das sie so ohne weiteres darauf verzichten möchten oder könnten. Die Möglichkeit sich über diese Art des Fernsehens die "Welt ins Haus" zu holen, wird sehr intensiv genutzt und trifft auf großes Feed-back, die GFK-Quoten zeigen es uns Tag für Tag. Und auch wenn mancher Zuschauer beim Sehen von Daily-Talks vor Scham, Pein oder was auch immer in pure Verzweiflung gerät, muß doch festgehalten werden, daß solche Formate der Grundanforderung Nr.1 an Fernsehsendungen generell gerecht werden: sie bedienen die Bedürfnisse und Interessen des Zuschauers. Viele identifizieren sich mit den Problemen anderer Menschen und wenn auf diesem Wege eine Form der zwischen-menschlichen Anteilnahme in unserer doch recht kratzbürstigen Gesellschaft entstehen kann, sollte man das auch durchaus so akzeptieren, wie es die sonst oft so kritische LfR in diesem Zusammenhang auch getan hat, indem sie den deutschen Talkshows ein durchaus akzeptables Zeugnis ausstellte. Aber es bleibt dennoch die Frage, ob ein persönliches Gespräch von Angesicht zu Angesicht nicht doch angenehmer und vor allem menschlicher ist als das von Angesicht zu Millionen von Angesichtern.

Autor : Dipl.Psych. Joachim Landefeld