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Alltag: Kühlschrank - "Ich gebe ihm einfach einen Tritt, dann ist Ruhe
Sonntag, 13. Juli 1997


Es gibt die großen Themen, die die Welt bewegen und die kleinen Unannehmlichkeiten, die unseren Alltag ach so schwer machen. Wie häufig haben Sie sich beispielsweise schon über Ihren Kühlschrank geärgert? Wir schon oft - und das war der Anlaß, einmal genauer hinzuhören und uns mit Verbrauchern an einen Tisch zu setzen.

Uninteressant, sagen Sie?
Die Ergebnisse waren überwältigend.

In Gruppendiskussionen, die alles andere als unterkühlt verliefen, wurde der "Hüter unserer Nahrungs-mittel" zum Thema gemacht. Die Männer und Frauen nutzten die Gelegenheit, ihrem Ärger rund um den Kühlschrank gehörig Luft zu machen. Vom viel zu kleinen Eierfach bis zur Überschwemmung beim Abtauen, wurde vieles angesprochen.
In den letzten Jahren hat sich einiges auf dem Markt der Kühlschänke bewegt. Neben der Umweltfreundlichkeit besticht der moderne Kühlschrank vor allem durch sein Design, und hier geht man oft wieder zurück in die guten alten 50er Jahre. Die wohlbekannten runden Formen werden allerdings kombiniert mit moderner Technik. Abtauautomatik oder der Regler für die Luftfeuchtigkeit sind hier nur Stichwörter.
Auch auf diesem Markt der "weißen Ware" werden Marken und Images wahrgenommen. Die Herstellerpräsenz in der Werbung spielt eine beachtliche Rolle und beeinflusst die Kaufentscheidungen.

Die Alltagsprobleme mit dem Kühlschrank sind vielschichtig. Nehmen wir zunächst die Fächeraufteilung. Es hat sich gezeigt, daß sie oft den individuellen Anforderungen nicht gerecht wird. Was macht man zum Beispiel, wenn die Party geplant ist und viele Flaschen im Kühlschrank verstaut werden müssen? Ausreichend Platz ist auf jeden Fall nicht vorhanden und es muß improvisiert werden. Wofür gibt es schließlich das Gemüsefach. Und die bauchige Sektflasche findet per se keinen Platz im dafür vorgesehenen Seitenfach. Warum müssen beim Öffnen der Kühlschranktür alle Flaschen schaukeln? Könnte die Halterung hier nicht höher angebracht sein? Gemüsefächer, die man nicht heraus-ziehen kann! Bei vielen Modellen muß erst der gesamte Kühlschrank-boden freigeräumt werden, um an den gesunden Inhalt zu gelangen. Den Sinn versteht wohl nur der Konstrukteur. Bleibt noch die Frage, wo der "Kleinkram" wie Mayonnaisetuben, Senfgläser oder das Samba-Olek-Fläschchen verstaut werden sollen. Hier bleibt das Gemüsefach für viele der Befragten als zweckentfremdete Alternative für diese weniger gebräuchlichen Kostbarkeiten. Dann ist da noch das Tiefkühl-fach, das nach Meinung der Verbraucher viel zu schnell vereist. Und warum geht die Tür oft nicht richtig zu? Ist es notwendig, daß das Fach unmittelbar unter dem Gefrierfach immer kälter ist?

Diejenigen, die nicht glückliche Besitzer eines Kühlschranks mit Abtau-automatik sind, werden vor große Herausforderungen gestellt. Da gibt es diejenigen, die "selbst Hand anlegen" und zum Eiskratzer greifen. Eine andere Variante ist es, eine Schüssel mit heißem Wasser in das Tiefkühlfach zu stellen und geduldig auf die große Überschwemmung zu warten.

Wie eine optimale Temperatur zu regeln ist, ist für die Befragten auch ein völliges Rätsel. Insgesamt herrscht der Eindruck: "Mit dem Ther-mostat kann man nur grob schätzen". Ein von außen angebrachtes Thermostat fänden alle sinnvoll. "Super" wäre auch, wenn man die Temperatur exakt einstellen könnte.

Daß Kühlschränke heutzutage lautlos dienen, gehört anscheinend ins Land der Märchenwelt. Die Regel sind Kühlschränke, die mitteilungs-bedürftig ihre Besitzer lautstark am Kühlvorgang teilnehmen lassen. ("Der knallt immer. Ich frage mich, ob die das extra gemacht haben"). Hier weiß sich der Verbraucher jedoch zu helfen: "Ich gebe ihm einfach einen Tritt, dann ist Ruhe".
Geht das "Birnchen" im Kühlschrank kaputt, ist Verzweiflung angesagt. Nur der feinmotorisch begabte Heimwerker schafft es, mit diffiziler Gerätschaft, die Birne auszutauschen. Wem dieses Talent fehlt, der läßt seine Nahrungsmittel einfach unbehelligt, will sagen, die kaputte Birne bleibt einfach drin.

Das leidige Thema der Reinigung. Zunächst müssen sämtliche Gitter und der Glasböden herausgezogen werden. Was macht man aber, wenn die Kühlschranktür sich aus Platzgründen nicht vollständig öffnen läßt? Sind alle Böden entfernt, eröffnet sich dem kritischen Betrachter das Reich der Schimmelpilze und Mikroben. Die vielen Ecken und Winkel für diese possierlichen Geschöpfe sind liebevoll von der Konstruktions-abteilung für diese Zeitgenossen konzipiert. Das Reinigen der Glasplatten bedeutet ein nicht unerhebliches Risiko für die Gesundheit, denn ihre Kanten sind häufig messerscharf.

Was passiert, wenn der treue Helfer im Haushalt plötzlich etwas unterkühlt reagiert und seinen Geist aufgibt? Wir haben gefragt und die Antwort war eindeutig: "Reparatur hat keinen Zweck, ich kaufe einen Neuen". Schlechte Erfahrungen mit dem Reparaturservice aufgrund zu hoher Reparaturkosten lassen den Kühlschrank zum Einwegprodukt verkommen. Bleibt jedoch die Frage offen, ob dies nicht eher für den Supermarkt-Mitnehmkühlschrank zum Wegwerfpreis gilt.
Wie der "ideale" Kühlschrank aussehen muß, davon hatten alle Teilnehmer konkrete Vorstellungen. Natürlich sollte er funktionell sein, aber auch durch seine Optik überzeugen. Mehr Pep und Individualität wünscht man sich hier. Warum nicht einmal einen Kühlschrank mit blauen Blümchen im Innenleben oder einer Metallic-Lackierung und Aluminiumfüße? Auch in Hinblick auf die Funktionalität sollten individuelle Bedürfnisse berücksichtigt werden. Die Wünsche reichen vom Platz fürs "kleine Fäßchen Bier", bis zum außen angebrachten Thermostat oder einem Schimmelmelder. Die Verbraucher wünschen sich zudem eine Grundausstattung, die individuell erweitert werden kann. Optimal wäre ein Baukastenprinzip für alle Schub- und Innenfächer. Gemüsefach, Eierfach, ja oder nein, die Fragen werden dann direkt beim Händler geklärt.

Was bleibt uns als Ergebnis? Zunächst die Einsicht, daß sich Trends unserer individualisierten Gesellschaft auch im und am Kühlschrank wiederfinden lassen. Es gibt nicht mehr den "Verbraucher", sondern Individuen mit ebenso unterschiedlichen Bedürfnissen, denen ein noch relativ standardisiertes Produkt wie der Kühlschrank nicht mehr gerecht wird. Es lohnt sich, direkt beim Verbraucher nachzufragen und hinzuhören, um nicht an den Bedürfnissen dieses Verbrauchers vorbei zu entwickeln.

Autoren : Meral Cerci, Joachim Landefeld