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Putzen im interkulturellen Vergleich
Freitag, 23. Dezember 2005

Putzen, wer macht das schon gerne? Eine lästige, anstrengende Arbeit – früher zumindest. Ich erinnere mich noch gut an meine Großmutter, wie sie auf Knien durch die Zimmer robbte und jeden Schmutzfleck im noch so verstecktesten Winkel bekämpfte. Zum Glück ist Putzen einfacher geworden. Ungefähr seit den 50er Jahren hat die technische Hausarbeitsrevolution eingesetzt: Dank Waschmaschine, Staubsauger, Spülmaschine, usw. ist den Hausfrauen (und den wenigen Hausmännern) die Arbeit erleichtert worden.

Und natürlich waren die Erfinder auch im Bereich des Putzens nicht müde. So erleichtert z.B. der Wischmopp das Putzen, indem man sich nicht mehr bücken muss und die Hände im Schmutzwasser dreckig macht. Oder die Mikrofasern: Sie versprechen dank fortschrittlicher Mikrotechnologie eine fast magisch selbsttätige Reinigung (so spricht man auch von "Aktivfasern" – die Fasern werden für einen aktiv, man selber braucht kaum noch tätig werden, andere Hersteller nennen ihre Mikrofasertücher gar "Zauber-" oder "Wundertücher").

Doch das ist nur die halbe Wahrheit. Der vielfach geäußerte Wunsch, Putzen möge so leicht wie möglich von der Hand gehen, verbirgt, dass im Putzen auch aggressive, ja fast sadistische Tendenzen ausgelebt werden. Das steckt sogar in Formulierungen (der "Putzwütigen"): dem Schmutz den Garaus machen, Keime vernichten, Urinstein bekämpfen, etc. Aber es steckt auch im Verhalten der Putzenden, wobei hier interkulturelle Unterschiede zum Tragen kommen, wie die Putzaggressionen ausgelebt werden dürfen.

In Spanien z.B. wird Aggression und Kampf zu einem großen Teil an Putzchemikalien delegiert. Als Waffen dienen (Chlor-)Bleichen, Laugen, Säuren, Ammoniak und vieles mehr. Und es wird begrüßt, wenn die Putzmittel beißend und stechend riechen. Es reicht aber nicht, wenn der Kampf den Chemikalien überlassen wird: Man selber will auch aktiv werden und die eigene Kraft spüren. So berichten spanische Hausfrauen z.B. stolz davon, dass ihnen bei der Arbeit mit dem Wischmopp (der ja eigentlich die Arbeit erleichtern und den Kraftaufwand reduzieren soll), schon öfter mal der Stiel oder die Auswringvorrichtung des Putzeimers brechen, weil sie so kraftvoll und energisch den Mopp ausgewrungen oder damit geputzt haben.

In Deutschland ist dagegen ein eigenhändiges, kraftvolles Abarbeiten am Schmutz selber noch weit verbreitet. So ist hier der Wischmopp weit weniger verbreitet als z.B. in Spanien. Vielfach kann man beobachten, wie sich Putzende mit dem Schrubber abmühen, der Kniefall und das eigenhändige Scheuern des Boden kommt auch heute noch gar nicht so selten vor, selbst in die Kloschüssel gehen nicht wenige mit der Hand möglichst tief. Vor aggressiven, Gase ausdünstenden Chemikalien scheuten die Deutschen nach 1945 zurück.

Statt dessen fanden Marken mit Ökotouch wie Frosch zunehmend Anklang. (Interessanter­weise greifen insbesondere diejenigen, die selber mit aller Kraft dem Schmutz aggressiv zu Leibe rücken wollen, zu dieser Marke, denn der sanfte Frosch übernimmt die Aggressionen für einen ja nicht.) Seit neuestem sinkt die Scheu vor Massenvernichtungswaffen aber: Sehr erfolgreich bringt z.B. Sagrotan immer neue Putzmittel und -instrumente auf den Markt, die die Massen von Kleinstlebewesen in Kloschüssel oder sonstigen keimverdächtigen Orten zuverlässig ausmerzen.

Die aggressive Seite des Putzen darüber hinaus (in allen Ländern) seine sozialen Konsequenzen haben. So kann man z.B. Hausherrinnen beobachten, wie sie ihre Putzfrau herumkommandieren und geradezu sadistisch quälen, da sie sich nicht mehr selber am Schmutz auslassen dürfen. Oder Frau vertreibt Mann und Kinder durch wütende Putzattacken und stinkende Chemikalien aus dem Haus.
Was lernt man nun aus diesen Beobachtungen? Man kann daraus z.B. Anforderungen an die Entwicklung neuer Putzinstrumente ableiten. Auf der einen Seite sind natürlich Fortschritte willkommen, die einem die Putzarbeit schneller und leichter von der Hand gehen lassen. Zum anderen sollte den Putzenden aber auch nicht jegliche Aggressionsmöglichkeit genommen werden: Entweder ist im Instrument selber ein aggressives Prinzip versteckt, oder man selber kann (wie z.B. beim Auswringen des Wischmopps) sich noch kräftig betätigen.

Autor: Uwe Hambrock