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"Faszination des Bösen"
Montag, 01. Dezember 2003

Betrachtet man die aktuellen Programmangebote im deutschen Fernsehen, so vermag man doch einiges Interessantes zu entdecken. 'Anatomie des Verbrechens' (ProSieben), 'Anwälte der Toten' (RTL), 'Niedrig und Kuhnt' und 'Lenßen & Partner', 'K11 – Die Kommissare ermitteln' (Sat.1) und 'Autopsie' (RTLII) sind Sendungen, die sich zunehmend einer Beliebtheit in der Zuschauerschaft erfreuen. Was haben diese Sendungen gemeinsam? Sie berichten über die Welt des Bösen, des Abgründigen, des Kriminellen. In diesen Formaten können wir erleben, mit welchen kriminellen negativen Energien Menschen ausgestattet sind, die Verbrechen begehen.

Woran liegt es, dass sich Zuschauer an den Geschehnissen in diesen Sendungen laben? Haben wir eine bisher nicht entdeckte, tief abgrün-dige Seite in uns, die uns dazu bringt, uns an solchen Formaten zu erfreuen? Ja und Nein! Eine Vielzahl von Untersuchungen in diesem Genre, in dem sich auch das Monheimer Institut betätigt hat, zeigen, dass diese Sendungen ein sehr interessantes emotionales Spannungs-feld beim Zuschauer bedienen.

Auf der einen Seite erlebt man einen Thrill dadurch, dass man sich bei diesen Formaten ständig vorstellt, dass das, was Menschen an grausigen oder schrecklichen Geschehnissen widerfährt, auch uns tag-täglich ereilen könnte. Wissen wir, ob wir morgen in der S-Bahn vielleicht einem Serienmörder gegenüberstehen oder werden wir in der nächsten Minute vielleicht Opfer eines im Alkoholrausch befindlichen Autofahrers?

Andererseits haben wir während der Rezeption dieser Sendungen das beruhigende Gefühl, dass uns die schrecklichen Ereignisse und Schicksale nicht ereilen und wir uns nach der Parole 'wie gut es uns doch geht' von den armen Betroffenen und Opfern abgrenzen können. Dieser aktivierte Prozess übt bei vielen Faszination aus. Mit diesen Sendungen ist es möglich, ein facettenreiches Spektrum von Emotionen vor dem Fernseher auszuleben. Mitfühlen, mitleiden, Peinlichkeit empfinden, Mitleid empfinden, Angst erleben, ungläubig den Geschehnissen folgen, erschreckt sein, pure emotionale Vielfalt wird geboten. Wir sind dankbar dafür, im Sinne einer notwendigen emotionalen Ausbalancierung auch mit einem gewissen Optimismus aus solchen Sendungen entlassen zu werden. Die bösen Mörder und Vergewaltiger, die geschnappt und ihrer gerechten Strafe zugeführt werden, ebenso wie Opfer und Betroffene, die Negativereignisse relativ folgenlos überlebt haben, sind für uns wichtige Hoffnungsmomente, die wir benötigen.

Aber nicht genug der Qualitäten derartiger Sendungen. In den Medien erfahren wir auch tagtäglich etwas über Ergebnisse von DNA-Analysen, pathologischen Spezialuntersuchungen, Gesichts- und Körperrekonstruktionen, toxikologischen Untersuchungen, Themen, die uns normalerweise völlig fremd sind. Im Schulunterricht haben wir uns oft gewehrt, uns mit solchen Themen auseinander zu setzen. In der Welt des Verbrechens, der Kriminalität und der Abgründigkeit jedoch, folgen wir voyeuristisch Ermittlungs- und Recherchemethoden und laben uns daran, zu erfahren, wie nahezu jedes Verbrechen heute aufgedeckt wird, da die technischen Möglichkeiten im Zeitalter der Computertechnik ultimative Chancen bieten, nicht das perfekte Verbrechen begehen zu können.

Bei der Bezeichnung derartiger Sendungen tun wir uns schwer. In den Medien begegnen uns Begriffe wie Ermittlerdokumentationen, Crime Dokus, Doku Crime, Doku Soaps, Crime Doku Soaps, Dokutainment, Begriffe, die eins gemeinsam haben, sie beinhalten die vermeintliche Wirklichkeit. Während der Rezeption dieser Sendungen haben wir das latente Gefühl, etwas rezipieren zu können, was so oder so ähnlich tatsächlich stattgefunden hat. Diese Qualität stellt ebenfalls ein wichtiges Faszinationsmotiv dar.

Dass mittlerweile eine Überfrachtung mit diesen Programmangeboten erlebt wird, ist eine logische Folge. Dass diese Genreangebote als ein aktueller Trend erlebt werden, der irgendwann sein Ende finden wird, dürfte ebenfalls wenig überraschen.

Die Geschichte des Fernsehens zeigt jedoch, dass solche Trends durchaus lange Haltwertzeiten haben. Interessant ist in diesem Genre zudem, dass um so näher die in diesen Formaten nachgezeichnete Realität dem Zuschauer ist, desto mehr Thrill ausgelöst wird. Zwar ist uns bewusst, dass in den USA Verbrechen in exzessiven Ausmaßen erlebbar sind, nur dieser Thrill vermag nicht annähernd mit dem mitzuhalten, den wir dadurch erleben, dass wir uns vorstellen, das könnte mir auch passieren.


Die Ermittlerprotagonisten, die in diesen Formaten in Aktion treten, gewinnen zwar nicht immer Sympathiepreise oder glänzen durch Echtheit, aber die Tatsache, dass sie stellvertretend für uns durch den Dschungel der Ermittlungsarbeiten führen, hat für uns Faszination. Mal schauen, wie lange dieser Trend anhält und was uns in diesem Genre noch alles erwartet?

Autor: Wolfgang Schlünzen