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Peep! oder piep, piep, piep... Über das Kultphänomen Verona Feldbusch und Guildo Horn
Sonntag, 19. April 1998

Ob Verona Feldbusch uns mit erotischem Geplänkel bei "Peep!" versorgt oder ob Guildo Horn uns mit "piep, piep, piep, Guildo hat Euch lieb" auf internationaler Chansonebene vertritt, eines unterscheidet die beiden Medienpersönlichkeiten von anderen Medienstars deutlich: sie sind Kult!

Die eine in ihrer gewollt naiven, für manchen erotischen Art - immerhin hat sie es als Halbbrasilianerin zum Schönheitsideal Miss Germany (1993) und Miss American Dream (1995) bereits weit gebracht - der andere ganz und gar unerotisch wie seine "orthopädischen Strümpfe" nur sein können. Beide sind auf ihre ART Kunst- und Kultfiguren.

Wie wird man zum Kult?

Was ist überhaupt Kult?

Es gibt andere Kultfiguren wie Harald Schmidt im stararmen Deutschland, aber keiner hat es scheinbar so leicht geschafft, vom einfachen "nothing von nebenan" zum Star zu werden wie Verona Feldbusch und Guildo Horn. Kult - aus dem lateinischen "Pflege" - ist so betrachtet kein entscheidendes Erklä-rungsmerkmal, denn offensichtlich kann man es - auf unsere beiden Figuren übertragen - mit möglichst geringer, wie auch mit besonders intensiver Pflege "schaffen". Kult beschreibt eine "übertriebene Verehrung für eine bestimmte Person". Dies trifft auch für beide zu, wobei man die Verehrung nicht nur im wirklich positiven Sinne betrachten sollte, sondern auch mit schlichter übertriebener Aufmerksamkeit, oder auch Belustigung, ja sogar Spott umschreiben kann. Kult ist etwas Besonderes, Einmaliges, das unique auftritt.

Was ist das einmalige an Verona Feldbusch, an Guildo Horn?

Ohne sich zu weit in psychologischen Erklärungen zu verstricken, so scheint doch dies deutlich: Sie verkaufen sich selbst bewußt für dumm bzw. trivial. Zudem überzeugen sie durch ihre Einfachheit, sind aber nicht gewöhnlich. Der eine durch seine (unter)- durchschnittliche Unattraktivität, mit fettigem Haar und "käsigem Dickbauch", durchaus aber mit Intellekt beseelt; die andere durch ihren zur Schau getra-genen (unter)- durchschnittlichen Intellekt, aber mit offensichtlicher "Idealmaß"-Attraktivität ausgestattet.

Diese Figuren bieten ein hohes Maß an Identifikation: Einen dicken "Schlabberbauch" haben die meisten von uns auch und das "hübsche nette Mädel von nebenan", das aber sonst ein wenig "unterbelichtet", ist kennen wir auch. Ganz im Gegensatz zu unnahbaren "gewöhnlichen" Stars, sind diese nahbar, greifbar; ja man kann sich sogar "über sie stellen", indem wir uns über sie lustig machen, sich für ihr unprofes-sionelles Auftreten schämen, sich von Ihnen bewußt distanzieren.

Aber mehr noch, Verona Feldbusch macht "ihre eigene Lächerlichkeit zur Waffe, wenn sie sich über sich selbst und ihre Rollen lustig macht" (Spiegel, 12/98). Bei Verona warten wir förmlich auf ihren nächsten "Patzer", wenn sie mal wieder anfängt zu stottern oder nicht "dem" von "den" unterscheiden kann. Allein diese wiederkehrenden erwarteten kleinen Ereignisse geben dem Zuschauer Befriedigung, Sicherheit und das Gefühl von Kontrolle. Die Dinge sind kalkulierbar und bleiben durch die Variation an "Veronas Dummheiten" doch spannend und erheiternd.

Zum anderen löst aber insbesondere der Zweifel an Veronas Intellekt für viele den besonderen Reiz ihrer Person aus. Die einen amüsieren sich über ihre Blödheit, die anderen überlegen, ob nicht doch alles "Programm" ist und sie in Wirklichkeit gar nicht so dumm und naiv ist, wie sie tut. So bleibt die Person, indem sie einfach sie selbst ist, stets ein interessanter Diskussionspunkt. Hier vermischen sich, ebenso wie bei Horn, Ernst und Ironie.

Kultfiguren wie Verona Feldbusch und Guildo Horn sind vor allen Dingen Projektionsfiguren. In sie kann man seine Sehnsüchte und Wünsche hinein projizieren. So erfreuen wir uns z.B. an der Unvollkommenheit der beiden, leben mit ihnen und durch sie ihre Banalität aus, ohne Leistungsdruck und gesellschaftliche Normen. Im Prinzip bedienen sie die gleichen Bedürfnisse, nur auf ihre unterschiedliche (extreme) Weise. Unser Verhältnis zu den beiden bleibt aber ambivalent: einerseits können wir uns mit ihnen identifizieren, andererseits grenzen wir uns bewußt von ihnen ab. Ohne dies jedoch würde der Reiz an diesen Figuren fehlen und die Entstehung des Kult wäre nicht gewiß. Wäre Verona Feldbusch nicht nur schön, sondern auch noch schlau, wäre sie für uns völlig uninteressant. Umgekehrt gilt dies für einen adrett gekleideten, schönen Horn.

Kult ist, "wenn man anders ist als andere", und das zum richtigen Zeitpunkt, den Nerv, den Trend der Zeit trifft. Im Moment, müde von all den übergroßen Ansprüchen in der Gesellschaft sehnt man sich nach dem wenig Anspruchsvollem, dem Oberflächlichem, dem Trivialen, nach (Selbst)-Ironie, Blödelei und Kitsch. In einer durch Individualis-mus und Orientierungslosigkeit gekennzeichneten Kultur schafft Kult Gemeinschaftserlebnisse. Bei Schlagern werden Emotionen geschaffen, alle fühlen sich wohl, können mitsingen, eine heile Welt besingen - ein Gefühl des Zusammengehörens entsteht. Hier spielt Horn den "Erlöser", er nennt sich auch den "Meister". Seine Anhänger können ihn öffent-lich verehren, ohne sich dafür zu schämen, im Zweifel überspielen sie den Zauber, der von ihm ausgeht und ziehen alles ins Lächerliche, wie er sich selbst auch.

Aber insgeheim fühlen wir uns doch wohl in der heilen, einfachen "Nußecken-Welt", die auch ein Stückchen unserer ersehnten, heilen Welt in einer chaotischen Zeit ist und hoffen darauf, daß wir uns irgendwann einfach nur noch lieb haben.

Autorin Janine Leyendecker