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TV 2000, Fernsehen an der Schwelle zum digitalen Zeitalter!?!
Freitag, 19. September 1997

Fernsehen ist des Deutschen liebste Freizeitbeschäftigung.

3 Stunden verbringt der "Durchschnittsdeutsche" täglich vor dem Fernseher. Das Fernsehen ist zum Leitmedium geworden und aus dem Alltag nicht mehr wegzudenken. Dabei kann die "Bildmaschine" Fernsehen auf noch keine allzu lange Tradition zurückblicken.

Es ist noch keine 60 Jahre her, daß in Deutschland ein regelmäßiger Programmbetrieb aufgenommen wurde. Seitdem unterliegt das Medium "Fernsehen" jedoch einer rasanten Entwicklung. Besonders die Einführung des dualen Rundfunksystems in den 80er Jahren veränderte die deutsche Fernsehlandschaft nachhaltig. Seither bevölkern eine Vielzahl von Programmen die Bildschirme. Alte Genre und Formate haben sich in ihrer Präsentationsweise verändert, neue Genre und Formate haben sich entwickelt. Die Fernsehwelt ist bunter geworden. Dabei wird Fernsehen jedoch immer weniger zum besonderen Ereignis, vielmehr nutzen Zuschauer es als Begleitmedium, das wie selbstverständlich in den Alltag integriert wird, ihn oft sogar strukturiert.

Im ausgehenden 20. Jahrhundert zeichnet sich eine weitere Vervielfachung des audiovisuellen Angebotes ab. Ein neues Zeitalter der Television kündigt sich an: Das digitale Fernsehen. Grund genug, einmal innezuhalten und eine Bilanz zu ziehen für das in Deutschland mit Abstand meistgenutzte Medium. So geschehen auf dem Symposium "Mattscheibe oder Bildschirm -
Ästhetik des Fernsehens", das im Dezember 1997 in Potsdam Babelsberg an der Hochschule für Film und Fernsehen stattfand. Während dieser 2-tägigen Veranstaltung diskutierten Wissenschaftler unterschiedlicher Disziplinen und Fernsehschaffende angeregt miteinander und beleuchteten den Forschungsgegenstand "Fernsehen" von allen Seiten, zogen Bilanz und zeigten Perspektiven und Visionen für zukünftige Entwicklungen auf.

Wie sieht nun die deutsche Fernsehlandschaft in naher Zukunft aus?
Es wird wieder mehr deutsche Eigenproduktionen geben, darüber sind sich alle einig. Otto Meissner von der NOVA Film geht davon aus, daß dabei auch die Industrieproduktionen notwendig sind, um aufwendigere Produktionen zu ermöglichen. Seiner Meinung nach gehört die Zukunft dem kreativen Producer, der mit künstlerischer Kompetenz auch im kreativen Bereich mitentscheidet, mithin sogar bei der Buchentwicklung mitwirkt. Dies gilt es verstärkt zu berücksichtigen bei der Ausbildung des Nachwuchses. Hans-Jürgen Rosenbauer, Intendant des ORB, konstatiert, daß die Produktionsstandards gestiegen sind und sich in den letzten 10 Jahren auch das Produktionsvolumen verdreifacht hat. Als Vorteil der wachsenden industriellen Produktionen sieht er die Möglichkeit, junge Talente zu fördern. Gleichzeitig warnt er jedoch auch davor, daß sich hier das kreative Potential "künstlerischer Unikate" nicht entfalten kann.

Und wie sieht es zukünftig mit den Genre und Programmformaten aus?
Dietrich Leder von der Kunsthochschule für Medien Köln prophezeit den Serienformaten weiterhin anhaltende Erfolge, da sie in Krisenzeiten und Zeiten sich ständig wechselnder sozialer Wirklichkeiten, Kontinuität und somit Sicherheit vermitteln. Außerdem prognostiziert er die Entdeckung des Unscharfen und des Schmutzes, ein Trend zum "neuen Naturalismus" und einer authentischen Darstellung von Körpern, mit Fehlern und Makeln, bisher als das größte Problem computeranimierter Bildschirmgraphiken.

Knut Hickethier von der Universität Hamburg zieht als Bilanz aus der jüngsten Fernsehgeschichte eine Ausdifferenzierung der Genres, was er am Beispiel der Talkshows verdeutlicht. Für die Zukunft prognostiziert er, daß der Anteil der fiktionalen Unterhaltung langfristig abnehmen wird. Fiktionale Unterhaltung spielt zunehmend im "hier und jetzt", zeigt Alltagssituation, die dem Zuschauer Orientierung bietet, durch Identifikation oder Abgrenzung.

Wird sich das digitale Fernsehen in Deutschland durchsetzen?
Ob überhaupt und wann, darüber war man sich auf dem Symposium nicht einig. Die Zeitspannen bis zum Durchbruch reichen von 2 Jahren bis 15 Jahren. Befürworter des digitalen Fernsehens gehen davon aus, daß es in der Fernsehlandschaft eine Ausdifferenzierung, vergleichbar mit der im Print-Bereich, geben wird. Michael Albrecht (ARD) setzt auf den Weiterbestand des dualen Systems. Das Programm soll zukünftig aber erweitert werden durch ein im digitalen Fernsehen neu zusammengestelltes Programm-Bouquet. Ernst Geyer von der Taurus Film geht davon aus, daß das "Fernsehen mit der Digitalisierung nicht neu erfunden wird", es aber zu neuen Präsentationsformen und einem größeren Produktionsvolumen kommt. Er prognostiziert, daß die Marktanteile von Free-TV zurückgehen, da Pay-TV dem Zuschauer den Vorteil der individuellen Programmauswahl ermöglicht.

Jo Groebel von der Universität Utrecht warnt in diesem Zusammenhang davor, die Bereitschaft des Zuschauers zur aktiven Programmauswahl zu überschätzen. Er äußert skeptisch, daß das digitale Fernsehen für den Zuschauer keinen Mehrwert bietet, wenn das herkömmliche Programm lediglich neu zusammengestellt wird. Einen möglichen Mehrwert sieht er einzig im Sport- oder Spielfilmeangebot. Besonders interessant könnte das digitale Fernsehen auch für Zuschauer mit Interesse an Pornographie sein. Groebel verweist in diesem Zusammenhang auf die aktuelle Internet-Nutzung im diesem Bereich.

Was bleibt festzuhalten? Die Befürworter des digitalen Fernsehens zeichnen den neuen Zuschauer als Bildregisseur, der aktiv das Fernsehprogramm nach seinem Gusto auswählt. Ob dem tatsächlich so sein wird, bleibt abzuwarten. Viele Fragen bleiben offen. Wie reagiert der Zuschauer auf das wachsende Programmangebot? Wird er sich im zukünftigen Programmangebot orientieren können oder ist er damit schlichtweg überfordert? Welche Rolle spielt hier Medienkompetenz? Wie geht der Zuschauer mit den zu erwartenden Kosten um?

Fragen über Fragen. Für uns als angewandte Medienforscher eine Herausforderung. Es gilt, mit der sich abzeichnenden Entwicklung schrittzuhalten und entsprechende Methoden anzuwenden bzw. zu entwickeln. Wir bleiben am Ball.

Autoren : Meral Cerci, M.A